von Christoph StrickerZuletzt vor 2 Tagen geändert.
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Es war kurz nach Mitternacht am 13. Jänner 2026, als die Stille der Nacht unterbrochen wurde. Bereits bei der Alarmierung war klar, dass dieser Einsatz zu einem der dramatischsten Einsätze der letzten Zeit wird: Flammen schlugen aus den Fenstern einer Erdgeschosswohnung, dichter, schwarzer Brandrauch schnürte den Bewohnern eines Mehrparteienhauses den Fluchtweg ab. Menschen standen an Fenstern und Balkonen, verzweifelt auf Rettung wartend, während die Kälte und gefrierender Regen die Arbeit der Einsatzkräfte zusätzlich erschwerten. Am Ende wurden 41 Personen, zwei Hunde und Katzen gerettet (siehe Bericht).
Doch wie verarbeitet man ein solches Ereignis, bei dem über 110 Einsatzkräfte an vorderster Front kämpften? Knapp zwei Wochen nach dem Brand fand am vergangenen Donnerstag eine umfassende Einsatznachschau statt. Rund 60 Kameradinnen und Kameraden der Hauptwache sowie der Feuerwachen Gneixendorf und Krems-Süd versammelten sich um 19:00 Uhr direkt vor dem Brandobjekt. Das Ziel: den Einsatz Revue passieren lassen, taktische Entscheidungen verstehen und aus den komplexen Abläufen lernen.
Da der Einsatz in jener Nacht so weitläufig war, dass viele Kameraden aufgrund ihrer spezifischen Aufgaben – etwa bei der Menschenrettung über die Drehleiter oder der Brandbekämpfung unter Atemschutz – nur Bruchstücke des Gesamtgeschehens mitbekommen konnten, wurde die Mannschaft vor Ort in zwei Gruppen geteilt:
Im Außenbereich wurden die Aufstellung der beiden Hubrettungsgeräte, der tragbaren Leitern und das vorgehen der ersten Einsatzkräfte detailliert besprochen. Die ersteintreffende Führungskraft schilderte seine Eindrücke und erzählte über seine getroffenen Entscheidungen.
Im Inneren des Gebäudes konnten sich die Teilnehmer ein Bild von der massiven Zerstörungskraft des Feuers bzw. der extremen Verrauchung im Stiegenhaus machen. Taktiken zur Menschenrettung mittels Fluchthauben, Belüften des Stiegenhauses, das Vorgehen der Atemschutztrupps, sowie die koordinierten Kontrollen aller Wohneinheiten wurden direkt am Ort des Geschehens analysiert.
Nach dem Lokalaugenschein rückten die Kräfte in die Hauptwache ein. Hier wurde der Einsatz anhand von Fotos und Videomaterial digital aufgearbeitet. Diese visuelle Unterstützung half dabei, die zeitgleichen Szenarien – die Evakuierung von 41 Personen über verschiedene Rettungswege bei simultaner Brandbekämpfung – für alle verständlich zusammenzuführen.
Diese Nachschau diente dem gegenseitigen Verständnis und der Professionalisierung unserer Arbeit. Der Blick zurück in das rußgeschwärzte Stiegenhaus erinnerte alle Teilnehmer daran, warum wir üben und uns fortbilden: um im entscheidenden Moment, wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, als Team perfekt zu funktionieren.
Ein großer Dank gilt allen Kameradinnen und Kameraden für die Teilnahme und die offene, konstruktive Aufarbeitung dieses prägenden Einsatzes.