Ausbildung der neuen Atemschutzgeräteträger

von Monika KyselovaZuletzt am Montag, 17. Oktober 2016 geändert.
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Unter dem Motto „wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“ haben am 8. Oktober 2016 die Kameraden der FF Krems im Rahmen ihrer Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger die Stufe 3 der Atemschutzausbildung, das sog. Praxisseminar Branddienst absolviert. Ziel des Praxisseminars war für die angehenden Atemschutzgeräteträger vertiefende Einblicke in Themengebiete, die bei einem Brandeinsatz wichtig sind, zu bekommen, sowie ihre praktischen Fähigkeiten zu festigen und sich eine effektive und schnelle Vorgehensweise im Atemschutzeinsatz anzueignen.

Zu den Teilnehmern des Praxisseminars gehörten aber nicht nur die angehenden Atemschutzgeräteträger, sondern auch langjährige Atemschutzgeräteträger sowie einige Führungskräfte. Die Einschätzung der Lage und der Brandentwicklung sowie die Entscheidung über die Taktik am Einsatzort gehören nämlich zu den wichtigsten Fähigkeiten der Führungskräfte, die einen Innenangriff leiten und überwachen sollen.

Am Beispiel von zahlreichen praktischen Darstellungen aus dem Feuerwehralltag wurde den Kameraden sehr schnell klar, dass Atemschutzeinsätze kein „Zuckerschlecken“ sind und die Extremsituationen, denen sie bei dem Atemschutzeinsatz ausgesetzt werden, ohne richtige Taktik und Vorgehensweise schnell tragisch enden können. Um es nicht soweit gehen zu lassen, wurden im theoretischen Teil des Seminars die unterschiedlichen Einsatzszenarien besprochen und die richtigen Löschtechniken vorgestellt. Die erfolgreiche Brandbekämpfung kann nämlich nur dann stattfinden, wenn die Einsatzkräfte schnell und effektiv reagieren können. Wichtig dabei ist nicht nur die Technik der Brandbekämpfung richtig zu beherrschen und die geeigneten Löschmittel zu benützen, sondern auch die Situation richtig vorhersagen zu können.

Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit den für den Atemschutzeinsatz wichtigen Themen wie Löschtechniken, Schutzbekleidung, Innenangriff und Personenrettung sowie unterschiedlichen Szenarienentwicklung bei der Brandverbreitung, haben sich die Kameraden ans Werk gemacht und ihre Kenntnisse gleich praktisch ausprobiert.

Mit Hilfe einiger Holzmodelle haben die Kameraden beobachten können, wie es zu der Pyrolyse kommt und wie die Rauchdurchzündung entsteht. Dabei haben sie auch mehrere Löschtechniken und deren Wirkung kennengelernt. Auch der Umgang mit der Wärmebildkamera wurde trainiert, denn mit Hilfe der Wärmebildkamera werden im Einsatzfall z.B. die vermisste Personen und der Brandherd lokalisiert, bzw. das Brandgebiet nachkontrolliert.

Am Nachmittag haben die Kameraden in den Trupps die praktischen Stationen absolviert. Die richtigen Löschtechniken und die Einsatztaktik wurden mit dem Ausbildner der Feuerwehr Krems, Christoph Gruber, geübt. Dabei sind mehrere Szenarien vorgestellt worden, die dann von den Kameraden gelöst werden mussten. Ziel war es, sich die richtige Taktik beim Innenangriff anzueignen, daher wurde der richtige Umgang mit dem Hohlstrahlrohr geübt. Der Seitenkriechgang, der beim Durchsuchen von verrauchten Räumlichkeiten angewendet wird, sowie die Rauchgaskühlung, direkte und indirekte Brandbekämpfung, hydraulische Ventilation und Einsatz des mobilen Rauchverschlusses waren weitere Ausbildungspunkte.

Eine von den schwierigsten Situationen, denen die Einsatzkräfte beim Innenangriff gestellt werden, ist die Personenrettung. Hier gehen die Einsatzkräfte oft bis an die eigene Leistungsgrenze. Besonders kräftefordernd und auch sehr belastend wird es dann, wenn es um die Rettung eines verunglückten Kameraden geht. Dieses Einsatzszenario wurde in einem verrauchten Innenraum der Lagerhalle simuliert. Der Atemschutztrupp hat unter Nullsicht den verunglückten Kameraden finden und retten müssen – dabei war die einzige Hilfe das Piepsen und Leuchten von dem Notsignalgeber (dem sog. Bewegungslosmelder). Außer der Personenrettung war auch das Löschen und Rauchgaskühlen, sowie die hydraulische Ventilation ein wichtiger Schwerpunkt dieser Situation.

Ein Trupp war immer für die Überwachung des Atemschutztrupps, der gerade im Einsatz war, zuständig. Ähnlich wie im realen Einsatz wurde mit Funk die Rückmeldung über die aktuelle Situation gefordert. Somit wurden die Kameraden auch für die Überwachungstätigkeiten vorbereitet.

Die zweite Station, durch die die Atemschutztrupps gegangen sind, war das sog. „Hindernisparkour“. In der Schlauchwaschanlage wurden verschiedene Hindernisse aufgestellt und die Trupps waren aufgefordert, mit der gefüllten Löschleitung im dichten Rauch zur Personensuche auszurücken. Besondere Herausforderung war hier die Kommunikation der Truppmitglieder untereinander, da die Lage durch laute Musik und Megafonbeschallung erschwert wurde. Die angehenden Atemschutzgeräteträger haben die herausfordernden Bedingungen sehr gut gemeistert und trotz des Umgebungslärms sowie der allgemeinen anspruchsvollen Lage einen Weg gefunden, wie sie miteinander kommunizieren können, was auch zu der Personenrettung geführt hat. Bei solchen Szenarien ist höchste Konzentration gefordert, denn schon die kleinsten Fehler können schwere Folgen haben und im schlimmsten Fall ein Menschenleben kosten.

Die Einsätze mit den Atemschutzgeräteträgern sind unter Umständen nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern können auch psychisch belastend sein, deshalb ist die Einsatznachbesprechung sehr wichtig. Besonders bei der Ausbildung der jüngeren Kameraden wird sehr oft auf die Möglichkeit eines Peer-Gesprächs aufmerksam gemacht.

Am Ende des Tages waren sich alle einig, dass die theoretischen Kenntnisse nicht nur einmal zu erlernen sind und bestenfalls mit den praktischen Fähigkeiten noch gekoppelt werden, sondern hin und wieder aufgefrischt werden müssen. Daher waren die Teilnehmer des Praxisseminars herzlich eingeladen, im November die Stufe 4 der Atemschutzausbildung zu absolvieren.

 

Herzlichen Dank an das Team der Ausbildner für den lehrreichen Tag und die gute Vorbereitung und Ausarbeitung des Seminars!