Sonntag, 19. April 2015

Erweiterte Atemschutzausbildung in der Feuerwehr Krems

von Christoph Gruber

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Zuletzt am Montag, 27. April 2015 geändert.

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Seit 2010 haben Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr Krems im Rahmen des Praxisseminars Branddienst die Möglichkeit, ihr Wissen zum Thema Branddienst auf den aktuellen Stand zu bringen. Mittlerweile haben über 120 Mitglieder der Feuerwehr Krems an diesem Schulungstag teilgenommen.

Vergangenen Samstag drückten wieder sieben Mitglieder der FF Krems sowie eine Kameradin der Feuerwehr Hadersdorf die interne Schulbank und kamen bei den Praxisübungen auch körperlich auf ihre Kosten.

Gleich zu Beginn des Tages wurde das Basiswissen des Brandeinsatzes im Lehrsaal gefestigt. Anhand eindrucksvoller Präsentationen wurden Brandphänomene erklärt, das Vorgehen im Innenangriff vorgeführt, und mehrere Lagen geistig durchgearbeitet. Ebenso wurde neben der körperlichen Anstrengung auch die psychische Belastung besprochen und auch auf die Möglichkeit der Bergung von Verletzten eingegangen, was keineswegs Alltag für Feuerwehrmänner ist. Zum Abschluss wurden die Grundlagen der Wärmebildkamera erklärt und die Eigenheiten der in sich in Krems in Verwendung befindlichen Wärmebildkameras erörtert.

Anhand zweier Brandvorführungen konnte das vorab theoretische Wissen in der Praxis vorgeführt werden. Löschtechniken konnten am Model getestet werden und ebenso wurden die Umschaltbereiche der Wärmebildkameras am heißen Objekt begutachtet.



Nach der Mittagspause wurde die Dienstbekleidung gegen die Schutzbekleidung getauscht und der praktische Part begann. Beim Strahlrohrtraining konnte jeder Teilnehmer die für den Innenangriff relevanten Strahlrohtechniken üben, nämlich die richtige Rauchkühlung mit Sprühstößen, das kreisförmige Löschen der Flammen und die Glutbrandbekämpfung mit gemäßigtem Vollstrahl. Ebenso wurde eine sichere Türöffnungsprozedur zum sicheren betreten von Brandobjekten geschult.



Bevor es nun zu den Belastungsübungen für die drei Atemschutztrupps ging, erhielten die Teilnehmer eine Unterweisung in vorhandene Zusatzgeräte und Sicherheitseinrichtungen. So wurden mobiler Rauchverschluss, der Umbau der Pressluftatmer auf „Zwei-Flaschen-Geräte“, Bewegungslosmelder, Atemschutzfunk- und Überwachung geschult. Nachdem man sich meist mit ungesunden Stoffen im Einsatz kontaminiert führten die Ausbilder ein besonders „sauberes“ ablegen der Schutzbekleidung vor. Und da auch der beste Kamerad nicht vor medizinischen Notfällen gefeilt ist, wurde vorgeführt wie unmittelbar nach der Rettung des Kameraden mit der Herzdruckmassage begonnen werden kann, ohne wertvolle Zeit zu verlieren.



Im Stationsbetrieb meisterten die Atemschutztrupps nun zwei Belastungsübungen.

Mit dem Schwerpunkt „Suchen und Retten“ galt es in der Katastrophenhalle eine verunfallte Kameradin aufzufinden. Zur Erschwernis wurde die Sicht komplett genommen und der Bewegungslosmelder der Verunfallten schlug kontinuierlich Alarm. Selbstverständlich musste eine Schlauchleitung vorgenommen werden (jedoch mit einer C52 Schlauchleitung, welche in Krems zwar seit einigen Jahren nicht mehr verwendet wird aber bei Einsätzen mit Nachbarwehren trotzdem in „Kremser Hände“ gelangen kann). Sobald die Kameradin aufgefunden war, galt es sie zu befreien und zu Retten. Eine Aufgabe die besonders durch den genommenen Sehsinn sehr anstrengend war.
Ein Trupp im Freien sorgte immer für die Überwachung der übenden Atemschutztrupps und forderte wie im realen Einsatz auch laufend Rückmeldungen über die Lage ein.



Die zweite Herausforderung war die mittlerweile berüchtigte Hindernisstrecke in der Schlauchwaschanlage. Mehrere Stunden bastelt das Ausbildungsteam jedes Mal am Aufbau einer möglichst anspruchsvollen Lage welche die Teilnehmer möglichst extrem beansprucht. Kanister, Bänke, Tische, Schnüre, Scheinwerfer, spiegelnde Oberflächen, Hürden usw. sollen das Vorankommen massiv verzögern. Ob die Puppe am Ende der Strecke erreicht werden und gerettet werden kann war nicht das Hauptziel der Station. Priorität hatte der Umgang mit dem begrenzten Luftvorrat in der belastenden Umgebung. Während die Wärmebildkamera zwar bei der Orientierung etwas half, musste selbstverständlich eine Schlauchleitung mit vorgenommen werden.



Nachdem die drei Trupps schweißtreibend alle Stationen passiert hatten, ging es an das gemeinsame Zusammenräumen, was wieder vorbildlich geschah.
Die abschließende Feedbackrunde von Teilnehmern an die Ausbilder und retour rundete den Ausbildungstag gegen 17:30 Uhr wie gewohnt ab.