Dienstag, 4. Juni 2013

Am Höhepunkt der Flut

von Gerhard Urschler

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Zuletzt am Mittwoch, 5. Juni 2013 geändert.

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Der 4. Juni verlangte den Einsatzkräften der Feuerwehr und des Magistrates ein ordentlich Maß an Entscheidungskraft und Leistungsfähigkeit ab:

Der Hochwasserschutz im Bereich des Gewerbeparks, wo sich der Rückstau der Donau über den Kremsfluss bis ins Stadtgebiet von Krems hineindrückt, war an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Die Technikerunterstützungsgruppe des Magistrates hatte in der Nacht sämtliche Varianten durchprobiert und als zweckmäßigste Maßnahme eine Sandsackbeschwerung und Erhöhung empfohlen.

Einige Schwachstellen im Damm wurden sofort mit Sandsäcken (die vom Zellerplatz in Stein abgezogen wurden) geflickt. In Folge wurde in einer beispiellosen Aktion auf einer Länge von über einem Kilometer ein Sandsackdamm bis zur Gemeindegrenze in Theiss aufgebaut. Dazu wurden sämtliche Wachen der Feuerwehr Krems sowie alle Betriebsfeuerwehren alarmiert: Abschnittsalarm! Zusätzlich zu den 150 Männern und Frauen der Feuerwehr Krems kamen noch zwei KHD-Züge aus Langenlois und St. Pölten in Einsatz, damit waren weitere 130 Feuerwehrleute zu Stelle. Mit der Unterstützung von 40 Soldaten aus der Kaserne Mautern und einem Teleskopgabelstapler des Landesfeuerwehrkommandos gelang es den 320 Helfern bis zum Einbruch der Nacht das herkulische Werk fertigzustellen. Weit über 1.000 Tonnen Sand und Schüttmaterial wurden verarbeitet, mit 6 Betonmischern wurden gleichzeitig Sandsäcke produziert und anschließend von den Helfern verlegt.

Erschwerend kam der heftige Regen hinzu, der die Einsatzkräfte relativ rasch durchnässte - bei den tiefen Temperaturen des Tages ein echtes Hindernis! Dennoch: dieser Damm schützt nun das Gewerbegebiet und Teile der anliegenden Wohngebiete sowie die Gemeinden Rohrendorf und Theiss.

Parallel dazu mussten noch einige Einzelobjekte geschützt werden, undichte Stellen in anderen Dammteilen beobachtet oder abgedichtet werden, eingestürzte Straßenteile abgesichert, Pumpstrecken gebaut - und die ganz normalen Einsätze obendrauf abgewickelt werden.

Am anderen Ende der Stadt ist inzwischen gespenstische Ruhe eingekehrt. Zwischen den Sandsäcken an der B3, die präzise am mobilen Hochwasserschutz in Bereitschaft ausgerichtet stehen, wagen sich nur vereinzelte Schaulustige auf die Straße. Der Großteil der Steiner Bevölkerung hat sich in die Häuser zurückgezogen und räumt Hab und Gut in höhergelegene Stockwerke.

Die rund 12.000 Sandsäcke in Stein waren natürlich Objekt der Begehrlichkeit für die Einsatzleitung beim Dammbau im Gewerbegebiet, die "eiserne Reserve" war aber für die Erhöhung des mobilen Hochwasserschutzes reserviert. Bis zuletzt kann nämlich die Überflutung der Hochwasserwand nicht ausgeschlossen werden.

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Die Polizei zeigt Präsenz, und unterstützt die Feuerwehr durch Steuerung des Verkehrs, hilft mit Anweisungen und Ratschlägen, räumt bei den unregelmäßig auf der Donau antreibenden Hindernissen die Mauterner Brücke und hindert auch den einen oder anderen Wagehals die Hochwasserschutzwände zu erklettern.

In den Abendstunden legt der Einsatzstab noch letzte Hand an drei vorbereitete "Drehbücher", die als Vorsichtsmaßnahme vorbereitet werden: nämlich die Sandsackerhöhung der mobilen Wand, der Evakuierung von Krems-Stein sowie das Dammbruchszenario. Mit diesen drei Handlungsfestlegungen ist auch die letzte Eventualität mit Zahlen hinterlegt, es wurde unter anderem die genaue Freibordmarke bestimmt, ab der diese Maßnahmen anlaufen würden. Nochmals: wieder eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn nur wer gut vorplant, wird mit Erfolg belohnt. (Hinweis für Facebookler und Journalisten: wer dieser Absatz unvollständig oder falsch zitiert, muss bei den Aufräumarbeiten in den nächsten Wochen die WC-Gruppen reinigen).

Ein arbeitsreicher Tag geht damit dem Ende zu: viele Arbeiten und Leistungen bleiben hier unerwähnt, vom Menüplan des Versorgungszuges der FF Krems, über die Lebensmittelspenden, über die Helfer an den Sandsäcken, die Sandlieferanten, die LKW-Fahrer, die Männer an den Radladern (die auch manchmal von der Feuerwehr gerettet werden müssen), bis hin zur Rettung, der Polizei, der Straßenmeisterei, dem Gemeindeabwasserverband, dem Bundesheer sowie den planenden Stäben und noch vielen unzähligen Helfern mehr.

Ganz besonders gilt aber der Dank allen Männern und Frauen der Einsatzorganisationen, der Feuerwehren, die hier in der Stadt Krems so tatkräftig mitgeholfen haben!