Freitag, 20. Juni 2008

Militärflugzeug "in Not" am Flugplatz LOAG

von Sebastian Spanninger und Gerhard Urschler

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Zuletzt am Donnerstag, 09. Dezember 2010 geändert.

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Am Nachmittag des 20. Juni 2008 meldete der Flugplatz Krems-Langenlois (Kürzel LOAG), dass sich eine beschädigte Militärmaschine im Anflug auf den Flughafen befinden würde. Ein Absturz könne nicht ausgeschlossen werden. Der Anrufer gab aber bekannt, dass es sich hierbei um eine unangekündigte "Alarmübung" im Rahmen der aktuell erhöhten Luftraum-Überwachung handelt.

Aufgrund der Tatsache, dass der Anrufer extra auf eine Übung hingewiesen hatte, entschied der Disponent daher, nur stille Alarmierung mittels Pager auszulösen und den Übungscharakter in der Durchsage besonders zu betonen. Gemäß Alarmplan wurden die Feuerwehren Krems (4 Schleifen), Langenlois und Stratzing alarmiert (siehe auch das Alarmierungsprotokoll). Hinweis: Im Alarmrechner ist das Meldebild "Flugzeugabsturz" nicht vorgesehen, deswegen scheint "Eisenbahnunglück" als Meldetext auf.

Das verunglückte FlugzeugAnkunft der Black Hawk Staffel der Heeres-FlugsicherungSchaumangriff mit S/M2 - KombischaumrohrUnser BB-CBC Schnellangriffsverteiler im Einsatz...Nachbesprechung
Am Flugplatz angekommen, stand eine Maschine des Österreichischen Bundesheeres abseits des Runways. Bei einer Notlandung war das Fahrwerk gebrochen und der Flieger von der Rollbahn abgekommen. Die Treibstofftanks sind dabei Leck geschlagen und Kerosin rinnt aus. Die montierten Maschinenwaffen sind (tatsächlich) scharf geladen.

Sofort wird ein umfassender Schaumangriff auf das Flugzeug von anfangs zwei, dann drei Tanklöschfahrzeugen gestartet, die Mannschaft von Voraus Krems befreite die beiden Piloten (die Cockpitkanzel klemmte). In der Zwischenzeit traf auch die Flugsicherung des Österreichischen Bundesheeres mit 2 Black Hawk Hubschraubern am Unglücksort ein. Die bewaffneten Soldaten sicherten den Flughafen ab.

Maschine am Boden: scharf geladen!Die Rettungseinheiten des ÖBH treffen per Hubschrauber ein.Abstimmung zwischen Feuerwehr und Bundesheer.Flieger eingeschäumt!Strahlenschutztrupp im EinsatzPolizeiinspektion meldet Einsatzstelle abgeriegelt.ÜbungsnachbesprechungPilotenbefreiung beim gelben Pfeil Landebahn wird gereingt.Mittelschaumangriff mit 4 Schaumrohren.
Weder die eingesetzten Feuerwehren und Kräfte der Polizeiinspektion, noch die Flugsicherung des Bundesheeres waren vor Beginn der Übung davon in Kenntnis gesetzt worden: man wollte offenbar die gesamte Alarmierungskette überprüft sehen.

Die Querverbindung zwischen den Einsatzkräften (vier verschiedene Funksysteme im Einsatz: aber keines funkt mit dem anderen) wurde auf einfache Weise gelöst: GSM Mobiltelefone sind ein weltweiter Standard, und die Telefonnummern wurden per Melder übermittelt.

Auch die Koordination zwischen Feuerwehr und Bundesheer hätte besser nicht funktionieren können: die Feuerwehr konzentriert sich auf die akute Gefahrensituation: den Brand, die Rettung der Piloten, den Treibstoffaustritt; das Bundesheer sichert das Umfeld und kümmert sich um die scharfe Munition.

Keine Frage: diese Übung war unheimlich wertvoll: sie hat in sehr kurzer Zeit ein grelles Streiflicht auf viele Fragen und Probleme geworfen, die sich aus Einsätzen auf einem Flugplatz und mit Militärflugzeugen im besonderen ergeben.

Dennoch: eine nicht angekündigte Alarmübung ist grundsätzlich im freiwilligen Feuerwehrdienst verpönt, müssen die Mitglieder doch Arbeitsplatz oder verdiente Freizeit in Stich lassen. Auch die Problematik, wie "realistisch" alarmiert werden soll, wie "echt" gearbeitet werden soll, bleibt im Raum stehen. Und die Gretchenfrage: wie kann sich der Disponent vergewissern, dass der Anrufer mit einer "unangekündigten Alarmübung" kein Scherzbold ist?

Eingesetzte Kräfte:
FF Krems
FF Langenlois
FF Stratzing
Polizeiinspektion
Einheiten des Bundesheeres